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  • Städtetag

Zukunft des Wohnens

Am 75. Österreichischen Städtetag 2026 in Leoben diskutierten Kommunalpolitiker:innen und Fachwelt über die brennendsten Fragen des urbanen Wohnbaus. Im Fokus standen bodenpolitische Instrumente, die Mobilisierung von Beständen sowie der neue Europäische Plan für leistbaren Wohnraum.

Von Redaktion | erstellt am

Politiker:innen und Fachexpert:innen diskutieren über das Thema Wohnen.

Politiker:innen und Fachexpert:innen diskutieren über das Thema Wohnen. © Markus Wache

Unter der professionellen Moderation von Wolfgang Gerlich (PlanSinn) widmete sich der prominent besetzte Arbeitskreis den multiplen Herausforderungen der krisengeschüttelten Wohnungsbranche. Dass das Thema im Juni 2026 ganz oben auf der europäischen Agenda steht, verdeutlichte Stefan Moser (EU-Kommission, Task Force Housing) in seiner Keynote. Da Immobilienpreise in der EU seit 2013 um über 60 Prozent stiegen und Baugenehmigungen massiv einbrachen, will Brüssel mit dem neuen „Wohnpaket“ und einer europäischen Wohnungsallianz nun gezielt Strukturreformen, Bürokratieabbau sowie die Mobilisierung von Investitionen vorantreiben.

Hebel im Bestand

Vom Leerstand zur Nachverdichtung: In der Fachrunde mit Expertinnen und Experten verwies Judith Lehner (TU Wien) auf den Baubestand als die wichtigste soziale und ökologische Ressource. Da Gebäude für einen Großteil des Energieverbrauchs verantwortlich sind, liegt hier ein enormer Hebel für den Klimaschutz. Judith Lehner mahnte jedoch, dass Sanierungen nicht zu sozialer Verdrängung führen dürfen. Daniela Unterholzner (Schwarzatal) plädierte für mutige, partizipative Stadtteilentwicklungen und hob – ebenso wie Maximilian Lintner (Land Kärnten) – die Umnutzung von Altbeständen hervor. Kärnten setzt hierbei auf eine flexible Wohnbauförderung, die urbane Nachverdichtungen finanziell dem Neubau gleichstellt.

Antonia Roither-Voigt (Arwag) warnte in diesem Zusammenhang vor lähmendem „Micromanagement“ bei technischen Standards und forderte eine Konzentration auf die wesentlichen Schutzziele: „Wir müssen Komplexität einsparen, nicht Qualität.“ Lintner gab jedoch zu bedenken, dass Kommunen bei Abweichungen von Normen stets mit erheblichen haftungsrechtlichen Risiken konfrontiert sind.

Klare Ansagen und konsequente Bodenpolitik

Das anschließende politische Podium zeigte die teils drastischen regionalen Unterschiede innerhalb Österreichs auf. Während sich Bürgermeisterin Susanne Kaltenegger (Bruck an der Mur) mit einem Teilverkauf von sanierungsbedürftigen Liegenschaften bei hoher kommunaler Leerstandsquote höhere finanzielle Spielräume verschaffen will, kämpfen die Ballungszentren mit massiver Raumknappheit. In Salzburg, wo die Baukosten laut Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl ein Drittel über dem Bundesschnitt liegen, setzt man auf sehr strenge Airbnb-Kontrollen und restriktive Widmungsauflagen, bei denen 80 Prozent der Flächen für den geförderten Mietwohnbau reserviert werden müssen.

Auch Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber setzt auf eine offensive Anwendung von Vorbehaltsflächen für den geförderten Wohnbau sowie auf innovative Nachverdichtungen, bei denen ungenutzte Garagenflächen mit günstigen Wohnungen für junge Menschen überbaut werden. Einigkeit herrschte bei allen Beteiligten über die Kernforderung nach einer strikten verfassungsrecht­lichen Zweckbindung der Wohnbauförderungsgelder.

Für Aufsehen sorgte Leondings Bürgermeisterin Sabine Naderer-Jelinek, die für ein neues kommunales Selbstbewusstsein gegenüber Investoren plädierte: „Wir müssen als Städte klar sagen, was wir wollen – und das müssen die Bauträger dann auch aushalten.“ Mittels strenger städtebaulicher Verträge fordert ihre Stadt soziale Qualitäten konsequent ein und sichert diese mit Rückkaufsrechten sowie empfindlichen Vertragsstrafen von bis zu einer Million Euro bei Bauverzögerungen ab.

Judith Lehner (TU Wien) bei der Diskussion

Judith Lehner (TU Wien) © Markus Wache

Vize-Bgm. Kay-Michael Dankl bei der Diskussion
Vize-Bgm. Kay-Michael Dankl © Markus Wache
Bgm.in Sabine Naderer-Jelinek bei der Diskussion
Bgm.in Sabine Naderer-Jelinek © Markus Wache
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