Wirtschaftserholung setzt sich fort
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Marcus Scheiblecker ist Senior Economist mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in der Forschungsgruppe „Makroökonomie und öffentliche Finanzen“ am WIFO tätig. Sein derzeitiges Forschungsgebiet umfasst makroökonomische Prognosen und die Erforschung des Konsums der privaten Haushalte sowie die Analyse der Wirtschaftspolitik. © Alexander Müller
Die Kommunalsteuerbefreiung für Gesundheitspflege gilt nur unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen. Entscheidend ist die Abgrenzung zwischen unmittelbarer Gesundheitsversorgung und allgemeinen Betreuungs- und Fördermaßnahmen. © Getty Images / zur Verfügung gestellt von Bohmann Verlag
Seit Überwindung der Rezession der Jahre 2023 und 2024 ist in Österreichs Wirtschaft wieder ein moderater Aufwärtstrend zu beobachten. Das WIFO erwartet nach einem Anstieg des BIP im Vorjahr um real 0,7 % für heuer ein Wachstum von 0,9 %, das sich 2027 auf 1,3 % verstärken soll.
Nach wie vor lasten geopolitische Unsicherheiten, wie der fortdauernde Krieg in der Ukraine, die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und auch die weiterhin unklare wirtschaftspolitische Ausrichtung in den USA, auf der Investitions-und Ausgabefreudigkeit von Unternehmen und privaten Haushalten. Die aufkeimende konjunkturelle Erholung wird dadurch zwar deutlich gebremst, jedoch nicht abgewürgt.
Vor allem Deutschland und Österreich profitieren vom jüngsten Wiederaufkeimen der europäischen Industriekonjunktur. Ebendiese beiden Länder litten 2023/24 am stärksten unter der Rezession der europäischen Industrie. Für heuer erwartet das WIFO eine Expansion der Wertschöpfung in der heimischen Warenproduktion von 2,3 % nach 1,6 % im Jahr zuvor. Im kommenden Jahr sollte die Zunahme unter den gegebenen internationalen Rahmenbedingungen wieder abflauen (+1,7 %).
Der gesamtwirtschaftliche Export wird heuer im Zuge der aufkeimenden Industriekonjunktur um real 2,3 % zulegen, wobei vor allem die Ausfuhr von Waren diese günstige Entwicklung bestimmt (real +2,4 %). Jedoch expandiert auch der Dienstleistungsexport schwungvoll. Der Reiseverkehrsexport legt heuer mit einem realen Anstieg von 2,6 % stärker zu als jener der restlichen Dienstleistungen. Im kommenden Jahr sollte sich die Exportdynamik wieder etwas verringern und es wird mit einer realen Zunahme von 1,7 % gerechnet. Die Warenausfuhr wird preisbereinigt nur mehr um 1,6 % wachsen, der Reiseverkehrsexport um 1,5 % und der der sonstigen Dienstleistungen um 1,9 %.
Bauwirtschaft durchschreitet 2026 ihre Talsohle
Die Bauwirtschaft sollte heuer, nach einer jahrelangen Abwärtsentwicklung, ihre Talsohle durchschreiten. Für 2026 ist noch mit einem leichten Minus in der Entwicklung der Wertschöpfung zu rechnen und erst 2027 wird mit einem Anstieg um real 1 % gerechnet. Bremsend wirkt nach wie vor der von den budgetären Sparmaßnahmen besonders betroffene Tiefbau, jedoch scheint die hartnäckige Krise im Wohnbau überwunden zu sein.
Während die Entwicklung der Bauinvestitionen heuer noch belastend für die Gesamtwirtschaft wirkt, begünstigt die Nachfrage nach Ausrüstungsinvestitionen (Maschinen, Fahrzeuge …) diese. Bereits im Vorjahr – in einem unüblich frühen Stadium der konjunkturellen Erholung – konnten diese kräftigt expandieren (real +7,9 %). Im heurigen und im kommenden Jahr wird hingegen nur mehr mit einem Wachstum von jeweils 2 % gerechnet.
Hohe Inflation belastet weiterhin den privaten Konsum
Angesichts der anhaltenden Auseinandersetzungen des Iran mit den USA bleibt die Handelsroute für Rohöl aus dem Persischen Golf weiter blockiert, und der Erdölpreis konnte abermals kräftig zulegen.
Annahmegemäß wird für 2027 mit einem Rückgang des Erdölpreises gerechnet, während sich der Gaspreis nur marginal verringern soll. In diesem Umfeld wird die heimische Inflationsrate heuer nur leicht auf 3,3 % (2025: 3,6 %) zurückgehen. Erst 2027 ist mit einem verstärkten Rückgang auf 2,6 % zu rechnen.
Die durch den Anstieg der Preise für Energieträger international gestiegenen Inflationsraten führte vielerorts zu einer Verschärfung der geldpolitischen Ausrichtung. Die Europäische Zentralbank hob heuer bereits zum zweiten Mal ihre Leitzinssätze um jeweils ¼ Prozentpunkte an und schloss weitere Anpassungen nicht aus.
Inflation schmälert Kaufkraft der privaten Haushalte
Die hohen Preissteigerungen lasten auf den real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte und lassen kaum Spielraum für einen Anstieg der Konsumnachfrage. Damit wird diese im kommenden Jahr bereits das dritte Mal in Folge trotz steigender Bevölkerung nur um real 0,5 % expandieren. Neben der höheren Inflation belastet vor allem die gestiegene Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Angst, selbst davon betroffen sein zu können, das Ausgabeverhalten der privaten Haushalte.
Die Ausweitung des öffentlichen Konsums, welche seit der Rezession die heimische Wirtschaft stützte, wird heuer deutlich an Kraft verlieren und nur mehr um real 1,1 % betragen. Für das Jahr 2027 wird aufgrund anhaltender Sparbemühungen in den öffentlichen Haushalten mit einem weiteren Rückgang auf 0,8 % gerechnet.
Anstieg der langfristigen Zinssätze belastet die öffentlichen Haushalte
Die Zinssätze auf langfristige Schuldtitel sind in den vergangenen Monaten vielerorts deutlich gestiegen. Die Erwartung auf den Finanzmärkten, dass die Zinsanhebungen des Vorjahres durch die Notenbanken nur von kurzer Dauer sein würden, wurden durch den erneuten Anstieg der Inflation infolge des Erdölpreisschubs enttäuscht.
Zudem mehren sich die Befürchtungen, dass einige hoch verschuldete Euro-Länder Probleme bei der Bedienung ihrer Schulden bekommen könnten. Ebenso muss der durch die höhere Inflation entstehende Kaufkraftverlust in der Rendite kompensiert werden.
Der Anstieg der langfristigen Zinssätze erschwert auch die Konsolidierung der österreichischen öffentlichen Haushalte. Mit der steigenden Sekundärmarktrendite erhöhen sich die Zinsausgaben im Prognosezeitraum bis 2027 für den gesamtstaatlichen öffentlichen Haushalt von 1,6 % auf 2 % des BIP. Das Defizit sinkt daher kaum: Es beträgt 2026 4,0 % des BIP (2025 4,1 %) und geht 2027 auf 3,8 % zurück; die Maastricht-Obergrenze von 3 % wird somit im Prognosezeitraum weiterhin nicht unterschritten. Die Schuldenquote steigt von 80,7 % (2025) bis 2027 auf 83,5 % des BIP.
Arbeitsmarkt reagiert verzögert auf die positive konjunkturelle Entwicklung
Dem Muster in der Vergangenheit entsprechend, erreicht die wirtschaftliche Erholung im heurigen Jahr noch nicht den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit, die bereits in den letzten Jahren deutlich zugelegt hat, steigt auch heuer weiter an. Jedoch mit einem Zuwachs von 8.000 Personen deutlich weniger stark als 2025 (+19.700). Erst 2027 ist mit einer Entspannung aufgrund eines Rückgangs um 9.000 Personen zu rechnen.
Trotz steigender Arbeitslosigkeit wird die Beschäftigung nach Köpfen gerechnet anhaltend ausgeweitet. Es wird erwartet, dass die Zahl der unselbstständig aktiv Beschäftigten heuer um 0,5 % ausgeweitet wird. 2027 sollte sich die Dynamik leicht auf +0,7 % verstärken.
Angesichts dieser Entwicklung und einer weiteren Zunahme des heimischen Arbeitskräfteangebots erhöht sich die Arbeitslosenquote heuer weiter, nachdem bereits in den vorangegangenen drei Jahren Anstiege verzeichnet worden waren. Nach einer Quote von 7,4 % 2025 wird heuer mit 7,6 % gerechnet. 2027 wird dann erstmals wieder ein Rückgang (7,3 %) erwartet.

