Österreichische Gemeindezeitung Logo
Österreichische Gemeindezeitung Logo
  • Klima, Umwelt, Energie
  • Stadtentwicklung & Raumplanung

Klimaresiliente Städte

Klimawandelanpassung beginnt vor Ort – in unseren Städten und Gemeinden. Um widerstandsfähiger gegenüber Hitze, Starkregen und Trockenheit zu werden, braucht es Wissen und gezieltes Handeln. Um langfristig Know-how aufzubauen und konkrete Maßnahmen zu entwickeln, gibt es hilfreiche Angebote und vielfältige Erfahrungen, die Städte und Gemeinden nutzen können.

Von Markus Leitner | erstellt am

Begrünter Promenadenring in St. Pölten

Begrünter Promenadenring in St. Pölten

Städte und Gemeinden stehen – in Österreich wie auch weltweit – vor allem bei der Umsetzung der Pläne für Klimaschutz und Klimawandelanpassung vor zahlreichen Herausforderungen. Was in der Theorie einleuchtend erscheint, stößt in der Praxis auf zahlreiche Hürden: unzureichende Vernetzung zwischen Akteur:innen, begrenzte finanzielle Mittel und nicht zuletzt mangelnde Expertise. 

Ein zentraler Erfolgsfaktor für die langfristige Entwicklung von Resilienz liegt in der Bewusstseinsbildung und im Kompetenzaufbau in der kommunalen Verwaltung. Dabei können Akteur:innen auf Netzwerke und Erfahrungen aus zahlreichen Projekten zurückgreifen.

 

Praktisches Know-how

Der Pilot-Lehrgang „Kommunale Klimawandelanpassungs-Beauftragte“ bietet ein umfassendes Programm, das auf die Bedürfnisse von Städten und Gemeinden zugeschnitten ist. Im Auftrag des BMLUK entwickelten das Umweltbundesamt und das Klimabündnis Österreich einen Online-Lehrgang, der Akteur:innen aus Verwaltung und Politik auf Gemeindeebene gezielt beim Kompetenzaufbau unterstützt. Der modulare Kurs vermittelt nicht nur Basiswissen nach dem Motto „Je früher sich die Gemeinde mit dem Thema beschäftigt, desto eher entsteht Klimaresilienz“, sondern befähigt die Teilnehmenden auch, Maßnahmen auf Gemeindeebene umzusetzen, auf wissenschaftlichen, fundierten Daten aufzubauen und Fördermöglichkeiten zu nutzen.

 

Pionierstädte als Role Models

47 Pionierstädte, in denen rund 40 % der österreichischen Bevölkerung leben, nehmen an der Mission „Klimaneutrale Stadt“ teil. Gemeinsam geht es um die Frage: Wie lässt sich das Ziel der Klimaneutralität noch schneller erreichen? Mit Unterstützung des BMIMI und in Kooperation mit dem Klima- und Energiefonds entwickeln die Pionierstädte Lösungen für die Energie- und Mobilitätswende sowie die Kreislaufwirtschaft. Zehn Pionier-Großstädte mit jeweils über 50.000 Einwohner:innen gehen dabei als engagierte Vorreiter vor. In Städteporträts zeigen sie, wie sie mit den Herausforderungen umgehen und welche Wege sie einschlagen.

Das FFG-Projekt für KLImaKompetente Städte „KLIK“ unterstützt diese Initiative durch Bewusstseinsbildung und den Kompetenzauf- und -ausbau speziell im Bereich der Pionierstädte: Im Rahmen von modularen Weiterbildungsmaßnahmen sollen möglichst viele Verwaltungsangestellte aus unterschiedlichen Bereichen für Klimaschutz und Klimawandelanpassung sowie weitere relevante Themen sensibilisiert werden. Ziel ist es, das Klima-Thema als Querschnittsmaterie zu verankern und verstärkt in die tägliche Arbeit zu integrieren. Damit es nicht bei der Theorie bleibt, steht die Vermittlung von praxisorientierten Kompetenzen im Zentrum. Dazu dienen Good-Practice-Beispiele und Erfahrungen der Pioniergroßstädte als Anregung.

 

Im Porträt

Die Pionierstädte-Partnerschaft ermöglicht einerseits die Generierung von praxisnahem Wissen und andererseits schnelleres Lernen durch Erfahrungsaustausch im Netzwerk. Zahlreiche Städteporträts zeigen, dass die Einbindung der Bürger:innen eine wichtige Rolle spielt, um Lösungen mit hoher Akzeptanz zu erarbeiten und Nutzungskonflikte zu minimieren. Gleichzeitig verdeutlichen die Porträts, welche lokalen Gestaltungsspielräume es aufgrund der jeweiligen geografischen Gegebenheiten gibt.

 

Grafik Klimaneutrale Städte

Pionierstädte in Österreich

Maßnahmen gegen Hitzeinseln

Praktische Erfahrungen in der Umsetzung gibt es unter anderem bei konkreten städtebaulichen Maßnahmen, die vor allem der Vermeidung oder Abmilderung von städtischen Hitzeinseln – kurz „UHI“ (Urban Heat Islands) – dienen. Dabei handelt es sich um lokale signifikante Erwärmungen gegenüber dem Umland. Sie führen besonders bei anhaltenden Hitzewellen zu starken gesundheitlichen Belastungen bis hin zur Gefährdung von Menschen. Maßnahmen gegen die Überhitzung von Flächen, die der Kühlung dienen, sind etwa Baumpflanzungen, Bodenentsiegelung und das Schaffen von Frischluftschneisen.

Ein Erfolgsbeispiel dafür ist das Projekt „ADAPT-UHI“ (Urban Climate Change Adaptation for Austrian Cities – Urban Heat Islands), das sich mit der Modellierung von Zukunftsszenarien für das Stadtklima beschäftigt hat. Ein zentrales Ergebnis daraus ist ein umfangreicher Maßnahmenkatalog als Entscheidungshilfe für die Stadtplanung. In den Pilotstädten Salzburg, Klagenfurt und Mödling modellierte das Projektteam Anpassungsszenarien inklusive Kosten-Nutzen-Analyse. Eine österreichweite Karte in der Auflösung 100 x 100 Meter zeigt das UHI-Risiko anhand eines Index. Ergänzend wurden grüne Infrastrukturen von Städten erhoben und bewertet.

Aus den Erfahrungen der Pilotstädte stammen auch allgemeine Empfehlungen, die auf alle Städte übertragbar sind. Sie beziehen sich vor allem auf den Ausbau von grüner und blauer Infrastruktur, damit sind der Grünflächenanteil oder die Beschattung (grün) und Wasserflächen oder Nebelduschen (blau) gemeint. Anschauliche Beispiele für mögliche Maßnahmen sind etwa, einen Baum pro Einwohner:in zu pflanzen oder Dächer durch helle Farben reflektierend (ohne zu blenden) zu gestalten. Auch kontinuierliche Entsiegelung und der bewusste Einsatz von Baumaterialien spielen eine Rolle: So neigen ungedämmte Betongebäude bei Hitze dazu, sich stärker aufzuheizen und die Wärme länger zu speichern im Gegensatz zu Holz. Das kann im Sommer sehr unkomfortabel sein.

 

Strategieplan der Stadt Wien gegen Hitzeinseln

Die Stadt Wien hat einen Strategieplan gegen UHIs entwickelt, der sich gezielt der strategischen Herangehensweise an klimasensible Stadtplanung widmet. Darauf aufbauend enthält der Plan zahlreiche Maßnahmen und gibt Hinweise zu ihrer Umsetzung. Im Fokus steht die Methodik zur Maßnahmenbewertung. Die Evaluierung erfolgt mit einem mehrstufigen Bewertungsschlüssel anhand der Kategorien Mikro- und Mesoklima, Biodiversität, Lebensqualität für Menschen sowie Errichtungs- und Erhaltungskosten.

Die vielfältigen Erfahrungen und die zahlreichen Projekte zeigen, dass Städte und Gemeinden in Österreich sich für diese Zukunftsaufgabe vorbereiten – und auch viel im Umgang mit Klimarisiken und entsprechenden Maßnahmen voneinander lernen können. 

Feuerwehrmann bekämpft Flammen
Feuerwehreinsatz
vorheriges Bild Icon
nächstes Bild Icon