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Öffentliche Finanzen im Blick

Wie Statistik Austria regionale Strukturen und Entwicklungen sichtbar macht.

Von Manuela Lenk, Statistik Austria | erstellt am

Bundesanstalt Statistik Austria in Wien Simmering

Bundesanstalt Statistik Austria in Wien Simmering © Klaus Ranger

Wie entwickelte sich der Schuldenstand je Einwohner:in meiner Gemeinde?

Wie hoch sind Wirtschaftsleistung pro Kopf und Personalausgaben in den Bundesländern? Sind die Grundstückspreise in meinem Bezirk höher oder niedriger als der Schnitt?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen liefert Statistik Austria mit einem umfassenden Datenangebot – etwa zu den öffentlichen Finanzen und aus den Regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Von den Gemeindegebarungen bis zum Bruttoinlandsprodukt entsteht so ein detailliertes Bild der wirtschaftlichen Entwicklung Österreichs auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene.

Nationale Durchschnittswerte allein reichen oft nicht aus, um Entwicklungen vor Ort zu verstehen. Gesamtstaatliche Entwicklungen werden auf kommunaler Ebene oft zuerst sichtbar und unmittelbar spürbar. Die Betrachtung der bürgernahen Lebensrealitäten in Gemeinden und Bezirken macht klar, wo Herausforderungen besonders groß sind – und wo neue Chancen bestehen. Der Datenpool von Statistik Austria bildet hier eine wichtige Grundlage für faktenbasierte Diskussionen und politische Entscheidungen.

Gemeinden im Fokus

Einen besonders benutzerfreundlichen Zugang zu regionalen Daten bietet das kostenlose Statistik-Austria-Portal „Ein Blick auf die Gemeinde“, mit dem sich Fragen wie diese beantworten lassen: Wie steht es um die Finanzlage Wolfsbergs? Wie hoch ist der durchschnittliche Jahresbruttobezug von Pensionist:innen in Hollabrunn? Wie viel kostet ein Quadratmeter Baugrund in Zell am See im Schnitt?

„Ein Blick auf die Gemeinde“ bündelt zahlreiche Informationen zu den Themen Bevölkerung, Soziales, Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Tourismus, Land-und Forstwirtschaft sowie öffentliche Finanzen. So lassen sich etwa Bevölkerungsentwicklung, Einkommensniveau, Grundstückspreise oder die finanzielle Lage einzelner Gemeinden analysieren. Tabellen, interaktive Grafiken, Karten und Zeitreihen erleichtern den Zugang zu komplexen Daten und machen Entwicklungen anschaulich nachvollziehbar. Besonders wertvoll ist die Möglichkeit des Portals, Gemeinden miteinander zu vergleichen und ihre Situation im Kontext von Bezirk, Bundesland oder Gesamtösterreich einzuordnen. Statistik wird so anschaulich, verständlich und praxisnah zugänglich gemacht. Die Daten stammen aus unterschiedlichen amtlichen Quellen, darunter etwa auch die Gebarungsstatistik der Gemeinden mit Informationen zu Erträgen und Aufwendungen, Ein-und Auszahlungen sowie Vermögen und Finanzierung.

Mehr Transparenz

Sie interessieren sich auch für die laufende Entwicklung der Ein-und Auszahlungen der Bundesländer?

Statistik Austria liefert erste Antworten. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zu mehr Transparenz der öffentlichen Finanzen ist die Novelle der Gebarungsstatistikverordnung. Sie trat mit Februar 2026 in Kraft und erweitert die gesetzliche Grundlage für die monatliche Veröffentlichung von sogenannten Haushaltsdaten auf Kassenbasis („Cash-Daten“).

Die seit März veröffentlichten Monatsdaten zeigen, welche Mittel tatsächlich eingegangen beziehungsweise ausbezahlt wurden. Die Daten decken den Bund, die Bundesländer, die Gemeinde Wien sowie die Sozialversicherungsträger ab und ermöglichen damit einen zeitnahen Einblick in die laufende Entwicklung der öffentlichen Haushalte.

Während die Haushaltsdaten auf Kassenbasis tatsächliche Zahlungsströme der Kerneinheiten abbilden, beruhen die für die Europäische Union maßgeblichen Defizit-und Schuldenkennzahlen auf den Konzepten und Regeln des ESVG 2010.

Beide Perspektiven ergänzen einander und ermöglichen gemeinsam ein umfassendes Verständnis der öffentlichen Finanzlage.

Regionale Gesamtrechnungen

Ein weiteres relevantes Bild zeichnen die Regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (RGR). Sie zeigen, wie sich Wirtschaftsleistung, Beschäftigung, Investitionen und Einkommen auf die Regionen Österreichs verteilen. Die Ergebnisse geben Einblick in die ökonomischen Spezialisierungen der Produktion von Gütern und Dienstleistungen in Österreichs Regionen. Dadurch wird sichtbar, welche Wirtschaftsstrukturen die einzelnen Regionen prägen und wie sich regionale Unterschiede im Zeitverlauf entwickeln.

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) beruhen auf einem geschlossenen Kontensystem. Unternehmen, private Haushalte, der Staat und das Ausland werden als wirtschaftliche Akteure erfasst. Durch die Verknüpfung ihrer Transaktionen entsteht ein konsistentes Gesamtbild der Wirtschaftsleistung. Die Berechnungen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) erfolgen nach den Vorgaben des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010), wodurch die internationale Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit der Daten gewährleistet werden. Somit beruhen Kennzahlen wie Bruttoinlandsprodukt, öffentliches Defizit oder Überschuss sowie öffentlicher Schuldenstand, die Sparquote der privaten Haushalte, Bruttoregionalprodukt oder Produktivität europaweit auf einheitlichen Definitionen und Methoden. Österreichische Regionen können somit unmittelbar mit Regionen in anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union verglichen werden.

Die VGR der Zukunft

In regelmäßigen Abständen wird der Rechtsrahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen an geänderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen angepasst. Basierend auf dem System of National Accounts (SNA 2025) wird derzeit an einer Überarbeitung des europäischen Rahmenwerks gearbeitet, das im Jahr 2030 für alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union verbindlich umgesetzt werden muss. Digitalisierung, globale Wertschöpfungsketten, Verteilungsaspekte, Krypto-Assets und Fragen der Nachhaltigkeit gewinnen zunehmend an Bedeutung. All diese Dimensionen sollen künftig stärker berücksichtigt werden, um der aktuellen wirtschaftlichen Realität besser Rechnung zu tragen. Statistik Austria arbeitet bereits mit Eurostat sowie den anderen nationalen statistischen Ämtern Europas an der Vorbereitung für diese Weiterentwicklung zusammen.

Fazit

Statistik Austria bietet ein umfassendes Informationsangebot zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Österreichs sowie seiner Regionen. Die verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Hauptindikatoren, ergänzt durch demografische, soziale und weitere Indikatoren, ermöglichen fundierte und international vergleichbare Analysen auf Gemeinde-, Bezirks-, Landes-und Bundesebene. Gleichzeitig stellt die konzeptionelle und methodische Weiterentwicklung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen sicher, dass auch ökonomische Realitäten wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und neue Wirtschaftsformen künftig adäquat berücksichtigt werden.

Manuela Lenk ist studierte Soziologin und seit September 2025 fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria. Zudem ist sie Präsidentin der Österreichischen Statistischen Gesellschaft (ÖSG). In verschiedenen Führungsfunktionen bei Statistik Austria prägte sie die Weiterentwicklung von Dateninteroperabilität und Registersystemen, bevor sie als Vizedirektorin des Schweizer Bundesamts für Statistik tätig wurde.

Manuela Lenk ist studierte Soziologin und seit September 2025 fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria. Zudem ist sie Präsidentin der Österreichischen Statistischen Gesellschaft (ÖSG). In verschiedenen Führungsfunktionen bei Statistik Austria prägte sie die Weiterentwicklung von Dateninteroperabilität und Registersystemen, bevor sie als Vizedirektorin des Schweizer Bundesamts für Statistik tätig wurde. © Klaus Ranger