Gut vorbereitete Dialoge sind Goldes wert
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Tischvorlage – Stakeholder-Dialog Klimastrategie 2040 Burgenland. © Barbara Ruhsmann
Klassische Bürger:innen-Informationsveranstaltungen sehen oft so aus: Ein großer Saal, wo Menschen in Reihen aufgefädelt hintereinander und nebeneinander sitzen. Vorne eine Bühnensituation mit Redepult und Mikrofonen für Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung oder Wissenschaft. Nach Einführungen in das jeweilige Thema können sich die Bürger:innen zu Wort melden. Dazu müssen sie aufzeigen, dann kommt jemand mit einem Mikrofon zu ihnen und sie sprechen aus der Menge im Saal zu den Menschen vorne auf der Bühne.
Miteinander statt nebeneinander
Eine Veranstaltung dieser Art muss nicht schlecht sein, aber besonders gut ist sie auch nicht. In solch einem Setting kann kein Gemeinschaftsgefühl entstehen. Es gibt die wenigen „vorne im Licht“ auf der Bühne und die vielen „hinten im Dunkeln“ im Saal. Die haben auch keine Gelegenheit, einander in die Gesichter zu schauen, weil sie ja neben-und hintereinander sitzen und nicht wie in allen Dialog-Situationen der Menschheitsgeschichte in irgendeiner Form von Kreis. Weiters kommt dazu, dass sich Menschen in so einem Rahmen sehr exponieren müssen, wenn sie eine Frage stellen. Wer steht schon gern auf in einem großen Saal und redet in ein Mikro? Das sind die wenigsten gewohnt, weshalb sich nachdenklichere, ruhigere Menschen selten zu Wort melden.
Wie es anders und besser geht:
Machen Sie eine Bankettbestuhlung! Sorgen Sie also dafür, dass Bürger:innen bei einer Informations-und Dialogveranstaltung um Tische herum sitzen. So kann schon von Beginn an ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen. Außerdem lädt es die Teilnehmer:innen zur Kommunikation miteinander ein und man kann die Bankettbestuhlung auch für interaktive Einheiten nutzen.
Starten Sie nicht sofort im Anschluss an Vorträge von Expert:innen in eine große Diskussion mit dem gesamten Auditorium. Viele Menschen brauchen ein bisschen Zeit, um ihre Fragen und Gedanken gut zu sammeln und zu sortieren. Dabei können Murmelgruppen helfen, wo man sich ein paar Minuten mit den Sitznachbar:innen austauscht zu Fragen wie: Was hat mich überrascht? Was ist mir klarer geworden? Wo hätte ich gerne noch mehr Informationen?
Bereiten Sie Plakate vor, die auf den Tischen liegen und schon eine grobe Struktur aufweisen. Laden Sie die Bürger:innen ein, erste Gedanken und Fragen auf Post-its zu schreiben und dann in die passenden Rubriken des Plakats zu kleben. So entsteht schnell eine gute Übersicht, zu welchen Themen es die meisten Fragen gibt.
Wenn es Ihre Ressourcen ermöglichen, sorgen Sie dafür, dass an jedem Tisch ein:e Moderator:in sitzt, welche:r die Menschen bei Bedarf unterstützt, die Fragen zu formulieren, die/ der vielleicht auch die Expertise hat, erste Fragen zu beantworten und einen kurzen Austausch am Tisch zu moderieren.
Sorgen Sie dann dafür, dass die Hauptmoderation des Abends von Tisch zu Tisch geht und Blitzlichter und Fragen einsammelt. Auf diese Weise wird ein breites Meinungsbild sichtbar und auch zurückhaltendere Personen können in den Dialog miteinbezogen werden.
Schöne Räume für gute Dialoge
Es wird oft unterschätzt, welch großen Einfluss Räume auf den Verlauf von Dialogen haben. Dabei liegt’s auf der Hand: Niemand sitzt gern eng an eng mit anderen in dunklen, vielleicht auch noch schlecht gelüfteten, schmucklosen Sälen. Das macht keine gute Laune und man fühlt sich in solchen Settings als Bürger:in nicht wirklich willkommen.
Ganz anders die Atmosphäre, wenn Menschen um einen Tisch platziert werden, wo vielleicht eine Blumenvase steht, Snacks, Wassergläser, Info-Material. Wer sich solcherart willkommen und wertgeschätzt fühlt, ist meistens gerne bereit, sich konstruktiv an Bürger:innen-Dialogen zu beteiligen.
Probieren Sie’s aus!
