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  • Städtetag

Digitale Gewalt – analoge Folgen

Dieser Arbeitskreis diskutierte, wie Abwertungen, Demütigungen und Drohungen in den Alltag wirken, denn Hass im Netz ist längst kein rein digitales Phänomen mehr. Woher kommt der Hass, welche rechtlichen Rahmenbedingungen und welche Gegenstrategien braucht es?

Von Redaktion | erstellt am

GS Weninger mit der prominenten Talkrunde

GS Weninger mit der prominenten Talkrunde © Markus Wache

Keynote-Speakerin Ingrid Brodnig erklärte, was vor allem Frauen in der Politik erfahren: Attacken gegen das Äußere, Objektifizierung, Gewaltdrohungen, Beleidigung durch umgendern, Verniedlichung und das Absprechen von Kompetenz, Politik sei ein unpassender Raum für Frauen, Beleidigung mit Bezug auf Familie, gegenderte Schimpfworte, Beleidigung auf Bildebene – das ist wie 1.000 Nadelstiche, die Folgen haben. Man spricht laut Brodnig etwa von Chilling Effects: 42 % der Frauen und nur 16 % der Männer sind durch solche Angriffe vorsichtiger beim Formulieren ihrer Meinung geworden. Damit Menschen weiterhin politisch und gesellschaftlich aktiv sind, braucht es einen starken Einsatz gegen diese unfairen Methoden. „Wir werden Gewalt im Netz nicht wegbekommen, aber Verbesserungen zu erzielen ist unsere gesellschaftliche Aufgabe.“

Bürgermeisterin Ines Schiller (Bad Ischl) sprach offen über ihre Erfahrungen mit Angriffen gegen sie und ihre Familie und Hass im Netz. „Es war eine Katastrophe, es war nicht einfach, es hat nie aufgehört. Ich liebe die Politik und mache diesen Job sehr gerne, diese Leute wollten, dass ich aufgebe – aber diesen Erfolg wollte ich ihnen nicht geben.“

Alina Zachar, stellvertretende Leiterin des 24-Stunden Frauennotrufes der Stadt Wien, sprach über die Verwobenheit der Gewaltformen und die digitalen Möglichkeiten, Frauen zu erniedrigen, die permanent zunehmen. „Physische Rückzugsräume wie ein Frauenhaus sind online nicht möglich, diese Inhalte sind immer da. Und die Spuren sind schwer zu verfolgen.“ Sie stellte fest, dass unterschiedliche Formen der Gewalt auch unterschiedliche Lösungen brauchen: „Aussprache kann im Cybermobbing gut funktionieren, aber bei Beziehungsgewalt tödlich sein.“

Jörg Leichtfried, Staatssekretär im Innenministerium, sagt dazu: „Regeln unseres demokratischen Rechtsstaates gelten on- und offline. Denn soziale Medien dürfen niemals Orte von Hass, Gewalt und Extremismus sein. Was hier passiert, ist demokratiegefährdender Extremismus, der Rechtsstaat wird auf diese Situation eine Antwort zu geben haben und wird die Antwort geben.“

Susanne Lackner, Koordinatorin für digitale Dienste und Vorsitzenden-Stellvertreterin der KommAustria, sprach über Gegenstrategien, Möglichkeiten auf europäischer Ebene und Trustet Flagger, also Meldestellen für Betroffene.

Unter der Moderation von Barbara Haas, leitende Redakteurin der Kleinen Zeitung und Podcasterin (fair & female), wurde diskutiert, woher die Gewalt kommt, warum unsere Gesellschaft so darauf trainiert ist, Frauen fertig zu machen, welche Rolle Algorithmen spielen und wie Plattformen zur Verantwortung gezogen werden können. Einig zeigte man sich darin, dass diese Form der Gewalt jedenfalls besser juristisch greifbar gemacht und die Rechtslage angepasst werden muss.