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Der Kreis schließt sich

Effizienter Energie- und Rohstoffeinsatz im Fokus der Kreislaufwirtschaft zur Erreichung der Klimaziele

Von Redaktion | erstellt am

Renommierte Expert:innen diskutierten im 3. Arbeitskreis über Kreislaufwirtschaft.

Renommierte Expert:innen diskutierten im 3. Arbeitskreis über Kreislaufwirtschaft. © Markus Wache

Die getrennte Sammlung und Verwertung von Abfällen tragen maßgeblich zum Umwelt- und Klimaschutz bei. Ein Paradigmenwechsel von der Abfall- hin zur Kreislaufwirtschaft ist derzeit im Gange. Angewandte Forschung im Bereich der aus Abfällen gewonnenen Sekundärrohstoffe, wie sie u. a. auf der Montanuniversität seit Jahren betrieben wird, im Zusammenspiel mit kommunalen Akteuren, für welche die Müllsammlung Teil der Daseinsvorsorge ist, trägt dazu bei, die Klimabilanz nachhaltig zu verbessern. Wichtige Erfolgsfaktoren zur langfristigen Sicherung des Gewerbe- und Industriestandortes Österreich, welcher sich inmitten des primärrohstoff­armen Herzens Europas befindet.

Unter der Moderation von Vizerektor Prof. Helmut Antrekowitsch, der für den Bereich Forschung an der renommierten Montanuniversität zuständig ist, diskutierten im Rahmen des Arbeitskreises Professorenkolleg:innen wie der von der Zeitung Die Presse für seine Leistungen in der Kategorie Forschung ausgezeichnete Österreicher des Jahres, Abfall­experte Prof. Roland Pomberger, sowie Assoz.-Professorin Eva Gerold, eine Expertin für hydro- und pyrometallurgische Prozesse am Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie, und Prof. Thomas Kienberger, ein Experte zum Thema komplexe Energiesysteme. Den Beitrag der Wirtschaft und Industrie übernahm CEO Iris Filzwieser von der Fa. Mettop, einem von einem Start-up heraus entwickelten, weltweit erfolgreichen Technologieentwicklungsunternehmen im Bereich metallurgischer Prozesse. Aus der Sicht der Gebietskörperschaften referierte Umwelt- und Abfallexperte Gernot Kreindl von der Stadtgemeinde Leoben.

Material im Kreislauf halten

Moderne Abfallbewirtschaftung übernimmt eine zentrale Aufgabe in der heutigen Gesellschaft, der richtige und verantwortungsbewusste Umgang mit Abfällen und Reststoffen schützt die Umwelt und spart Primärressourcen. Die Abfallwirtschaft als Rohstofflieferant unserer Industrie trägt dabei maßgeblich zu unserem Wohlstand bei. Mit der Kreislaufwirtschaft in ihrer gesamtheitlichen Betrachtung und dem Ergebnis aus Abfall- und Ressourcenwirtschaft beginnt der Impulsvortrag von Prof. Pomberger. Dabei sollen möglichst viele Materialen so lange wie möglich im Kreislauf gehalten, Sekundärrohstoffe mit mehr Rechten ausgestattet und effizienter genutzt werden. Die größten Potenziale verortet Pomberger am Bau und in der Industrie. Mit der österreichischen Kreislaufstrategie der Task Force Kreislaufwirtschaft der österreichischen Bundesregierung, der auch Prof. Pomberger angehört, werden Ansatzpunkte in diese Richtung gegeben und geeignete Instrumente und Maßnahmen vorgeschlagen, welche sich auch im Kapitel „Kreislaufwirtschaft“ des aktuellen Regierungsprogramms wiederfinden.

Abfallsammlung ist Daseinsvorsorge

Ins gleiche Horn stößt Referatsleiter und Montanuniversitätsabsolvent sowie Universitätslektor Gernot Kreindl, der die Abfallwirtschaft als zentrales und unverzichtbares Element einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft sieht. Abfälle an Ort und Stelle bei ihrer Entstehung in Haushalten getrennt zu erfassen, effizient und kostendeckend zu sammeln, sind wesentliche Aufgaben der Daseinsvorsorge. Durch den beginnenden Einsatz emissionsfreier E-Müllsammelfahrzeuge und den Betrieb moderner und großzügig gestalteter Altstoffsammelzentren mit angeschlossenen Re-Use-Geschäften begegnen Städte und Gemeinden diesen Aufgaben und tragen ebenfalls zum Klimaschutz bei.

Geht es um die Elektromobilität und die Verwertung von Lithium-Ionen-Fahrzeugbatterien, ist man bei Prof.in Gerold richtig. Am Recycling von kritischen Rohstoffen, u. a. Lithium in metallurgischen Prozessen, aber auch an der Rückgewinnung von Metallen aus Elektroschrott und Fahrzeugkomponenten, forscht Gerold als Leiterin des neuen CD-Labors an der Montanuniversität. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt und optimiert sie Verfahren, um strategische Metalle effizient und ressourcenschonend aus Primär- und Sekundärrohstoffen zurückzugewinnen.

Innovative Lösungen

Dem Thema der Versorgung mit nachhaltiger Energie und deren Speicherung, um den wachsenden Bedarf zu decken, widmet sich Prof. Thomas Kienberger mit seinem Lehrstuhl für Energieverbundtechnik an der Montanuniversität. Mit der Erforschung komplexer Energiesysteme und dem 2024 eröffneten Wasserstoff- und Kohlenstoffforschungszentrum nimmt die Montanuniversität eine Schlüsselrolle in der österreichischen Wissenschaft ein. Die Nutzung industrieller Abwärme und die von Prof. Kienberger beschriebene Transformation industrieller Energiesysteme stellen wichtige Forschungsgebiete am Lehrstuhl dar.

Mit Ehrgeiz und fachlicher Exzellenz innovative Systemlösungen weltweit im industriellen Maßstab zu planen und technisch umzusetzen, diesem Prinzip hat sich Iris Filzwieser zusammen mit ihrem Mann Andreas verschrieben. So wurde in dem sehr lebendig geführten Impulsreferat über eine von der Firma Mettop geplante und in Spanien errichtete Sekundärhütte zur Erzeugung von hochwertigen Kupferrecyclaten gesprochen, welche sich gerade in der Hochlaufphase befindet. Ein wichtiger Schritt, um die energieintensive Produktion aus Primärerzen durch sekundärmetallurgische Prozesse zu ersetzen, klimaschädliche Emissionen zu vermeiden und gleichzeitig die Abhängigkeit von außereuropäischen Kupfererzlagerstätten zu reduzieren. Filzwieser sprach vom Mut, mit einer Idee zu scheitern bzw. dem Aufbau der bei uns fehlenden Kultur des Scheiterns. Die Endtabuisierung von Fehlern und der dahinterliegende wichtige Lernprozess tragen dazu bei, Resilienzen zu stärken und gewonnene Erkenntnisse als essenzielle Grundlage für zukünftigen Erfolg zu sehen.

In dem Arbeitskreis und bei der anschließenden Diskussion zeigte sich wiederum, wie wichtig der Austausch zwischen Gesellschaft, Industrie, aber auch Gebietskörperschaften ist. Alle profitieren von den technologischen Entwicklungen, wobei es zwischen der Stadtgemeinde Leoben und der Montanuniversität schon seit Langem eine gute und florierende Zusammenarbeit im Rahmen von interdisziplinären Forschungsprojekten gibt, die durch Fördergeber seitens des Bundes und der Länder gestärkt wird. Im Anschluss wird eine Übersicht – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – von den Fördermöglichkeiten und -programmen, die sich aktuell in der Ausschreibungsphase befinden, gegeben.

 

CEO Iris Filzwieser

CEO Iris Filzwieser @ Markus Wache

Fördermöglichkeiten und Programme